Wie man es auch dreht und wendet: beim Thema Sauberkeit steht es nicht zum Besten in Schwelm. So sagt es der Heimatcheck der Westfalenpost.
Unser Wildmüllberg, auf den du eventuell bei deinem Spaziergang gestoßen bist, ist ein Umweltschutzprojekt von Schwelm-Cleanup. Den Müllberg haben wir aus wildem Müll aus der nächsten Umgebung zusammengetragen. Er ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass mit der Menschheit auch in Schwelm etwas nicht stimmt. Das wollen wir thematisieren und einen Denkanstoß geben.
Fakt ist…
dass Schwelm beim Heimatcheck 2025 den letzten Platz von 11 belegte. Mit 4,22 erhielt unsere Heimatort die schlechteste Note aller getesteten Städte im Ennepe-Ruhr-Kreis. Peinlich.
Das sollte zu denken geben. Die Müll-Hotspots in Schwelm sind seit Jahren dieselben und das Müllvolumen nimmt stetig zu. Es macht sich unter anderem dort bemerkbar, wo der Stadt das Geld für regelmäßige Reinigung, für Mülleimer oder gar Kontrollen fehlt. Von Durchschnittsmenschen wird die Beachtung der Reinigungspflicht vor dem Haus verlangt. Für Manche scheinen jedoch andere Regeln zu gelten. Oder es werden zum Beispiel mehr Augen zugedrückt, als zu rechtfertigen ist (mehr dazu weiter unten).
Chronische Müll-Hotspots in Schwelm
Wir listen hier ein paar der Schwelmer Problemzonen auf, in denen Reinigungsaktionen sich anfühlen wie der berühmte Kampf gegen Windmühlen.
Das „Rondoleum„

Rund um den großen Wohnblock Ecke Markgrafenstr. und Kaiserstr. herrschen Zustände jenseits von Gut und Böse. Der überreichliche Müll aus den großen Mülltonnen breitet sich von dort mit dem Wind ins Umfeld aus, lockt Ratten an.
Der Sperrmüllkäfig – an sich eine sinnvolle Idee – ist immer offen und lädt zur illegalen Müll-Entsorgung ein. Hier entsorgen auch Nicht-Bewohner*innen ihren Müll. Alle denkbaren Müllsorten ergießen sich zur Freude von Passant*innen und der Nachbarschaft in einer nicht enden wollenden Flutwelle über den Gehweg.

Die Verwaltung habe bereits Kontakt zur Eigentümergesellschaft, der Adler Group, aufgenommen, so hieß es 2022 auf unsere Anfrage. Konsequenz? Offensichtlich keine.
Angemessen wäre nach all den Jahren der Dauerverschmutzung jedoch die überfällige Verordnung eines Bußgeldes aufgrund von dauerhaft unterlassener Reinigungspflicht.
Hallenbadparkplatz

Hier werden Autos repariert, aufpoliert, geölt, neue Reifen aufgezogen und die alten gleich dagelassen. Auch Flüssigkeiten aufgefüllt und Ersatzteile ausgetauscht. Die teilweise giftigen Hinterlassenschaften der Hobby-Mechaniker*innen dekorieren unter Umständen so lange die Randbereiche der Stellplätze, bis für ein traditionelles Sommerfest das Grün geschnitten und der Platz gereinigt wird.
Das ist der eine, kurze Zeitraum im Jahr, zu dem der Hallenbadparkplatz gepflegt aussieht.
Der Parkplatz ist ein beliebter Ort, um Fastfood zu verzehren und die leeren oder noch vollen Verpackungen direkt aus dem Fahrzeug am Stellplatz zu entsorgen.

Zum guten Ton gehört selbstverständlich auch, sich seines mit Zigarettenkippen gefüllten Pappbechers mit einer schnellen Öffnung der Wagentür zu entledigen.
Die zwei (!) Mülleimer am Platz aufzusuchen, ist den motorisierten Parkplatzbesucher*innen nicht zuzumuten.
Von den Wertstoffcontainern wollen wir lieber gar nicht erst anfangen, denn diese sind per se ein Magnet für die Ex-und-hopp-Entsorgung.
Hier finden ganze Wohnungseinrichtungen, Elektrogeräte, Renovierungsreste, Altchemikalien, gammelig-stinkiger Restmüll und noch viel mehr eine illegale, vorübergehende Bleibe.
Auch das Gewerbe lässt sich nicht lumpen, wirft Verpackungen, Lebensmittel- und Farbreste etc. blitzschnell von der Ladefläche und verschwindet nach der Straftat im schwindenden Licht der Dämmerung. Ein Vorgang von Sekunden.
Märkischer Platz
Ein vielbesuchter Ort, mitten in Schwelm. Hier treffen sich Menschen, spielen viele Kinder, zweimal pro Woche findet der Markt statt. Es gibt Sitzplätze und obwohl der Platz wirklich nicht einladend ist: er ist ein beliebter Aufenthaltsort. Man merkt es vor allem in der warmen Jahreszeit am Müllvolumen. Wo gesessen und gegessen oder getrunken wird, zieren den Boden und die Beete fallengelassene Einwegverpackungen, Pappbecher, Spielzeugteile, Essensreste und natürlich die allgegenwärtigen Zigarettenkippen.
Es scheint viele Menschen noch nicht einmal zu stören, wenn sie von Müll umgeben sind. Manchmal hat man dort einen regelrechten Müllteppich vor den Füßen. Je schöner das Wetter, desto mehr der Müll.
Hier wird regelmäßig in dichtem Takt gereinigt und dennoch: Gegen die Verantwortungslosigkeit der Menschen vor Ort kommt kein Reinigungsdienst an.
Dr.-Moeller-Straße
Die Straße leidet unter dem chronischen Stellplatz-Syndrom. Wo KFZ parken können + es an Aufsicht fehlt, wird Müll hinterlassen. Ein hoher Zaun säumt hier den Gehweg. Dahinter, im dornigen Gebüsch, verstecken sich Müllfluten, die im Vorbeigehen oder aus dem Auto heraus dorthin verfrachtet wurden.
Nur durch einen Radikalschnitt des pieksigen Grüns käme man an diese meist plastikhaltigen Menschenspuren heran.

Das Grün darf hier allerdings seit Jahren hemmungslos wuchern und so zerbröselt tief im Gestrüpp der illegal entsorgte Müll vor sich hin. Sicher freuen sich die dort lebenden Tiere über die leckere Nahrungsergänzung.
Kippen-Schnippen als Kavaliersdelikt

Die Stadt ist ein grenzenloser Aschenbecher. Falls du das noch nicht wusstest, nimm dir kurz Zeit und schau nach unten. Du wirst innerhalb weniger Sekunden schon die ersten Zigarettenkippen finden. Und wenn dein Blick erst einmal geschärft ist, kannst du die Giftstummel gar nicht mehr übersehen. Unter Ruhebänken zum Beispiel sieht es manchmal so aus wie in einem riesigen Aschenbecher. Selbst im Sand der Spielplätze finden sich viele Giftstummel. Genau dort, wo Kleinkinder den Sand durch ihre kleinen Hände gleiten lassen und wo so etwas wirklich nichts zu suchen hat.
Ein einziger, gerauchter Zigarettenfilter hat das Potenzial, ganze 1.000 Liter Grundwasser mitsamt der Lebewesen darin zu vergiften. Das zeigen wissenschaftliche Studien wie die der Technischen Universität Berlin.
Das achtlose Wegschnippen von Kippen in die Umwelt ist zwar eine Ordnungswidrigkeit, ein Umweltdelikt, wird aber allgemein als Kavaliersdelikt durchgewunken.
Der NRW-Bußgeldkatalog schlägt allerdings ein Bußgeld in der Höhe von 100,- Euro vor.

Eine von uns befragte Ordnungsbeamtin wusste allerdings weder, wie viel Bußgeld in Schwelm für die achtlose Entsorgung von Zigarettenstummeln fällig wäre, noch hatten sie und ihre Kollegin jemals ein Bußgeld wegen Kippen-Schnippen verhängt. Aber wenn man unter solcher Premisse beobachtet, wie eine Ordnungsbeamtin ihre gerauchte Kippe im nächsten Gully entsorgt, muss man sich im Grunde sowieso über gar nichts mehr wundern.
Humor ist, wenn man weitermacht. Trotzdem.
Könnte es sein, dass dieser Text eine sarkastische Note hat?
Das könnte nicht nur, das ist auch so! Kein Wunder, wenn man sich seit über 4 Jahren der Stadtsauberkeit verschrieben hat und feststellt, dass nicht der Müll das eigentliche Problem ist, sondern der Mensch.
Immer und immer wieder der Mensch!
Das kann man nur mit Sarkasmus wegstecken und einer gehörigen Portion Unkaputtbarkeit.
Nervt dich der Müll genauso wie uns? Dann mach bei uns mit!
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